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Bachelorstudiengänge |
„Zu Anfang war es ein wenig überwältigend, dass ich viel mehr für das Studium arbeiten musste als früher für die Schule, aber eigentlich war es nicht so schlimm. Wenn du zu den Übungen gehst, kannst du schon sehr viel Arbeit an der Uni erledigen. Natürlich kommt es zu Hause vor, dass man ab einem bestimmten Moment im Stoff nicht mehr weiter kommt. Aber während der Übungen überlegst du zusammen mit dem Dozenten und/oder Professor, was einen weiterbringt. Das funktioniert gut.
Natürlich musst du auch selbst für dich lernen, doch die Disziplin dafür habe ich. Wovon ich sehr begeistert bin ist, dass man direkt im ersten Semester an einer großen Aufgabe arbeitet. Wir mussten in einer Gruppenarbeit einen Apparat entwerfen, mit welchem man Knochen durchsägt für Beinverlängerungen. Dazu machten wir theoretische Untersuchungen, gingen zu einer Messe um Ideen zu sammeln und mussten danach unseren Entwurf präsentieren. Jede Gruppe hatte eine völlig andere Lösung. Das war wirklich interessant! Mein Lieblingsfach war Anatomie & Physiologie. Während dieses Faches fuhren wir nach Amsterdam um dort in der Pathologie sich alles auch einmal in natura anzusehen und anzufassen. So etwas macht man natürlich nicht in der Schule. Auch anders ist, dass ein Großteil der Literatur englischsprachig ist. In der Schule hatte ich mit viel Mühe ein ‚ausreichend’ in Englisch, deshalb dachte ich, dass es mir schwer fallen würde. Doch ich kam erstaunlich gut mit, denn die Fachbegriffe waren ja so oder so neu, da hat die Sprache dann auch keinen Unterschied mehr gemacht. Und wenn du später Weltweit arbeiten möchtest, ist es natürlich praktisch wenn alle die selbe Sprache sprechen.“
Biomedizinische Technologie beinhaltet ein vielseitiges und fesselndes Studium, aber ob es dein Ding ist, dass kannst nur du selbst beurteilen.
Wenn du BMT in Betracht ziehst sollten die naturwissenschaftlichen Fächer und Mathematik zu deinen Stärken gehören. Darüber hinaus findest du es schön, die Ergebnisse deiner Arbeit direkt sehen zu können. Als biomedizinischer Technologe trägst du dazu bei, bessere Behandlungsmethoden und effizientere Diagnostiken zu entwickeln. Außerdem hilfst du dem Personal im Gesundheitswesen bei der Entwicklung von Topapparaturen.
Auch wenn du Pionierarbeit liebst und Biologie und Chemie deine Lieblingsfächer sind, wirst du deine Freude an BMT haben. Denn es gilt noch bahnbrechende Arbeit auf dem Gebiet der Geweberegeneration zu verrichten. Stell dir vor du könntest dafür sorgen, dass eines Tages keine Organspender mehr nötig sind. Wie wäre es zum Beispiel wenn man Teile von oder sogar ganze Organe „im Reagenzglas“ wachsen lassen könnte? Wenn du auf diese Weise der Welt zu besserer Gesundheid verhelfen willst, ist BMT etwas für dich.
Der erste Teil des Studiums besteht aus einem Bachelor Programm, welches drei Jahre lang dauert. Wenn du dieses Studium erfolgreich abgeschossen hast, dann erhältst du den Titel Bachelor of Science (BSc). Danach hast du die Wahl: Berufsleben oder eine weitere Spezialisierung mit Hilfe eines zweijährigen Masterprogramms im Bereich Biomedical Engineering.
Während der Bachelorphase besuchst du Vorlesungen und Übungen. Bei den Vorlesungen – das Wort verrät es bereits – geht es vor allem um das Zuhören und Mitschriften machen. Eine große Erleichterung bei den Mitschriften ist, dass alle Vorlesungen anschließend auf der universitätsinternen Homepage Blackboard zu finden sind. Während der Übungen arbeitest du in kleinen Gruppen, um die Theorie aus den Vorlesungen anzuwenden. Es gibt reichlich Gelegenheit, um Fragen an den Dozenten zu stellen oder zu diskutieren (...) .
Wie du dein erlangtes Wissen in der Praxis wirklich umsetzen kannst, lernst du in deinem eigenen ‚Ingenieursbüro’, in welchem du zusammen mit anderen Studenten an den biomedizinischen Problematiken der Praxis arbeitest. Manchmal geht es um Projekte, die nur einen Tag lang dauern, manchmal bist du aber auch ein ganzes Quartal (10 Wochen) damit beschäftigt. Die Aufgaben sind in jedem Fall multidisziplinär und schließen an die Fächer des laufenden Quartals an. Darüber hinaus arbeitest du im Team. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch lehrreich. Du lernst zusammen zu arbeiten, Aufgaben zu verteilen, Berichte zu schreiben und zu präsentieren.
Im ersten Jahr hast du viele verschiedene Fächer. Die Fächer unterteilen sich in Projekte, Biologie und physiologische Fächer, chemische Fächer, Physik und Mathematik. Die Verteilung ist folgendermaßen:

Natürlich kann deine Erfahrung von dieser Verteilung abweichen, dass hängt von jedem einzelnen ab. Hattest du zum Beispiel Physik bis zum Abitur, hast aber Chemie nach der 10. Klasse abgewählt, wirst du wenig Zeit aufbringen müssen um die physikalischen Fächer zu verstehen und mehr Zeit um die chemischen Fächer zu erlernen.
Als Student arbeitest du ein wenig selbstständiger als du es aus der Schule gewöhnt bist. Niemand zwingt dich pünktlich aufzustehen, es sei denn deine Vorlesung an diesem Tag ist eine Pflichtveranstaltung. Vielleicht muss man sich erst einmal daran gewöhnen, aber du wirst nicht einfach so ins kalte Wasser geworfen. Dein Dozent oder Mentor (meistens ein Student aus einem höheren Semester) wacht im ersten Jahr über deine Fortschritte und wird sich an dich wenden, wenn er oder sie merkt dass du nicht weiterkommst. Du kannst mit ihm oder ihr nicht nur über deine Studienmethoden, deine Studienpläne und deine Examensresultate reden, sondern auch über persönliche Dinge. Wenn er oder sie dir nicht selbst weiterhelfen können, kennen sie in jedem Fall den richtigen Ansprechpartner für dich.
Neben aller Theorie sind Praktika und Projekte auch eine Gelegenheit um einen Blick nach ‘Draußen’ zu werfen. Im ersten Jahr wirst du das anatomische Labor besuchen, dass zur „Vrije Universiteit“ Amsterdam gehört. Im zweiten Jahr wirst du in das Fach einleitende Medizin ‚hineinschnuppern’ dürfen. Neben den Vorlesungen hast du eine Woche lang die Möglichkeit hinter die Kulissen eines Krankenhauses, einer Arztpraxis oder einer Pflegeeinrichtung blicken zu können. Dort beobachtest, beschreibst und beurteilst du die Arbeitsprozesse und analysierst mit welchen körperlichen oder seelischen Beschwerden die Patienten kommen und nach welcher Behandlung sie wieder entlassen werden. Natürlich beobachtest du dabei besonders kritisch die Rolle, die die Technik innerhalb dieser Institutionen spielt. Du schließt die Woche mit deinem fundiertem Rat ab, wie man die Technologien der Institution verbessern kann.
Am Anfang des dritten Jahres musst du dich für eine der vier möglichen Fachrichtungen entscheiden. Diese sind:
- |
Human Function Technology mit drei möglichen Spezialisierungen |
o |
Human Function Technology |
o |
Clinical Physics |
o |
Betriebswirtschaft |
- |
Molekular-, Zellular- und Gewebetechnologie. |
Am Ende des dritten Jahres schreibst du deine Bachelorarbeit. Mit dieser Arbeit zeigst du, dass du selbst Forschung betreiben kannst und das erlernte Wissen des Bachelors anwenden kannst.
Zu aller erst musst du dich für eine der drei Arten der Bachelorarbeit entscheiden: Literaturstudie, Forschungsarbeit, oder Entwicklung und Konstruktion eines neuen Gerätes/Hilfsmittels.
Danach musst du dir überlegen wo du deine Bachelorarbeit schreiben möchtest. Soll dies im eigenen Forschungslabor, dem BMTi, der Universität Twente sein (wird am häufigsten gemacht) oder soll es eine externe Arbeit werden.
Wenn du alle entscheidenden Dinge geklärt hast fängst du an mit deiner Bachelorarbeit. Hier drunter berichten verschiedene Studenten von ihren Arbeiten:
Materialeigenschaften
Wolf Rombouts machte für eine Bachelorarbeit Untersuchungen an den verschiedenen Strukturen von Materialien. „ Bei welcher Temperatur wird eine bestimmte Substanz zu Gel und wie lange dauert das. Das war eine Fragestellung in meinen Untersuchungen.“ Wolf erklärt:“ In einem bestimmten Moment wird ein flüssiger Stoff in einem Kühlschrank zu einer Art Gelatine. Aber wie sorgt man nun dafür, dass es auch ein Gel bleibt, auch wenn es sich später in einem menschlichen Körper befinden soll?“. Wolfs Erkenntnisse können zum Zweck der Weiterentwicklung der medizinischen Technik in weiteren Forschungen genutzt werden. „Das ist, wie ich finde, auch das schöne an diesem Studium: die Kombination aus Biologie, Technik und die Möglichkeit, Menschen damit zu helfen.
Rehabilitation
Josien van Noord schrieb ihre Bachelorarbeit in Zusammenarbeit mit dem Rehazentrum „Het Roessingh“ in Enschede. „ Zusammen mit zwei Mitstudenten untersuchte ich, ob die MUAP-Rate – ein Gradmesser für die Bewegungssteuerung von Muskeln – mit Computermodellen nachgeahmt werden kann. Es erwies sich als schwierig. In dem Maße in welchem die Kraft von den Muskeln zu nahm, wichen die Simulationsergebnisse immer weiter von der Realität ab.“ Das Arbeiten in dem Rehazentrum gefiel Josien gut. „Ich bin ein hilfsbereiter Mensch, lacht sie. „Es könnte schon sein, dass ich später in dieser Branche arbeiten werde.“
Häusliche Pflege
Gillian Huijsse machte ihre Forschungen zusammen mit dem Medizinischen Spectrum Twente. „Dabei ging es hauptsächlich darum ob medizinisch-technische Projekte besser unterstützt werden können. Und ob es sinnvoll ist ein Projekt überhaupt in Angriff zu nehmen. Man stelle sich ein Projekt für Frauen in Risikoschwangerschaften vor, die zu Hause bleiben und dort von Krankenpflegepersonal besucht werden. Wenn so ein Unternehmen gut läuft, dann sind weniger Betten im Krankenhaus nötig. Die Methode die ich entwickelt habe zeigt, ob so ein Projekt sinnvoll ist.“