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Bachelorstudiengänge |
„Ich werde nicht drum herum reden: Studieren an der Universität ist echt anders als das Lernen am Gymnasium. Das Tempo liegt hoch, genau wie das Niveau. Wenn du einmal in Rückstand bist, holst du es nicht so schnell wieder auf. Einige Leute studieren Technische Physik, weil sie Physik in der Schule leicht fanden, aber bei Technischer Physik ist harte Arbeit angesagt. Formeln und Probleme passen fast nie genau zusammen. Ich denke oft ‚es fehlen Daten, das ist nicht lösbar’. Aber je öfter du übst, Aufgaben zu analysieren und Formeln anzuwenden, desto besser begreifst du das Lösen von Problemen. Das ist super motivierend. Du bist übrigens nicht komplett auf dich allein gestellt. Viele Aufgaben kannst du während der Seminare machen. Wenn du etwas nicht verstehst, berätst du dich mit deinem Dozent oder deinen Kommilitonen und dann kannst du weitermachen. Das funktioniert gut. Zu Hause bereite ich eigentlich nur die Vorlesungen und Praktika vor. Praktika finde ich am besten, aber das dachtest du dir wahrscheinlich schon! Erst wenn du selbst Experimente machst, siehst du was du mit dem theoretischen Wissen anfangen kannst. Man merkt, dass die Formeln echt stimmen. Spannend ist auch das P-Projekt am Ende des ersten Jahres. Mit einer kleinen Gruppe von Kommilitonen habe ich ein Auto gebaut, das einem bewegenden Lichtbündel folgen konnte. Davor mussten wir einige schwierige Aufgabenstellungen lösen. Wie stark muss der Motor sein und wie schnell muss das Auto fahren können? Und wie weiß es, in welche Richtung es muss? Während des Wettrennens gegen die anderen Gruppen hat unser Wagen nicht genau das gemacht, was er sollte, aber eine gute Note haben wir trotzdem bekommen!“
Dein Studium besteht aus einem Bachelorstudiengang, der drei Jahre dauert. Hast du diesen erfolgreich abgeschlossen, bist du ein Bachelor of Science (BSc). Danach hast du die Wahl, bereits ins Arbeitsleben einzusteigen oder dich während des zweijährigen Mastertracks weiter zu spezialisieren.
Während der Bachelorperiode folgst du Vorlesungen und Seminaren und lernst natürlich im Selbststudium. Bei Vorlesungen – der Name sagt es schon – geht es vor allem um das Zuhören und Notizen machen, aber du wirst auch ermuntert, Fragen zu stellen. Während der Seminare arbeitest du in kleinen Gruppen mit der Theorie aus den Vorlesungen. Es gibt reichlich Gelegenheit, um dem Dozenten Fragen zu stellen oder zu diskutieren. Dies ist ein bisschen vergleichbar mit dem Unterricht in der Schule. Darüber hinaus gibt es feste Zeiten an denen du begleitet lernen kannst.
Was du aktiv mit deinem Wissen anfangen kannst, lernst du während der Projekte bei denen du die neuen Fachkenntnisse anwendest, um komplexe Probleme praktisch zu lösen. Das beginnt schon im ersten Quartal des Studiums, denn dann begleitest du einige Wochen einen Forscher in einer Fachgruppe und lernst wie man zusammen an einer Forschung arbeitet. Das Ende deines ersten Jahres wird spannend. Alles was du gelernt hast, wendest du in einem Team in der Praxis an. Du baust zum Beispiel einen Apparat, der einen Fußball über eine Mauer ins Tor schießen kann. Oder ein kleines Auto, das einem Lichtbündel folgen kann. Während des Endwettbewerbs können die Teams zeigen, wie gut ihre Umsetzung ist. Und der Sieger bekommt natürlich ewigen Ruhm!
Als technischer Physiker musst du dich für Messungen natürlich mit vielen verschiedenen Geräten auskennen. Es ist auch wichtig, dass du wissenschaftliche Forschungen systematisch durchführen kannst. Das beinhaltet etwa das Führen eines Logbuches und das Schreiben von wissenschaftlichen Protokollen. All diese Fertigkeiten lernst du während der Praktika, mit denen du etwa zwei Nachmittage in der Woche beschäftigt bist. Die Themen variieren von Optik und Elektronik bis hin zum Feststellen von Materialeigenschaften.
Das erste Jahr
Dynamik, Thermodynamik, Elektrizität und Magnetismus. Das sind die Physikfächer, die du im ersten Jahr kennen lernen darfst. Aber unterschätze den Mathematik-Anteil nicht! Etwa ein Viertel deiner Fächer besteht aus dieser ‚Sprache der Physiker’, sodass du komplexe Probleme praxisorientiert und mit dem richtigen Werkzeug angehen kannst. Am Ende des Jahres kannst du zeigen, was du gelernt hast. Du arbeitest im letzten Quartal (10 Wochen) sehr intensiv an einer spannenden aber schwierigen Aufgabe. Früher in diesem Jahr lernst du bereits die Arbeitsweise von Fachgruppen kennen.
Eine Übersicht alle Fächer im ersten Jahr findest du hier:
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Das zweite Jahr
Das ist das Jahr der Vertiefung und Erweiterung. Quantenmechanik, klassische Mechanik und statische Physik bilden die Vertiefung in der fundamentalen Physik. Optik, Flüssigkeitsphysik und Feststoffphysik sind die Fächer, mit denen du dein Wissen erweiterst. Auch bei diesen Fächern hast du Praktika und lernst zu forschen.
Das dritte Jahr
In diesem Jahr darfst du einen Minor wählen! Du kannst dein Wissen in einer ganz anderen Richtung ausbauen, z.B. in Psychologie, Luftfahrttechnik oder auch Musik. Oder du kannst dich in eine andere naturwissenschaftliche oder technische Richtung vertiefen. Im dritten Jahr schreibst du zusammen mit einem Kommilitonen auch deine Bachelorarbeit. Das ist eine Art Abschlussarbeit in klein. Du gehst in eine Fachgruppe und forschst selbst. Das Thema darfst du selbst wählen. Am Ende präsentierst du deine Ergebnisse, sodass die Fachgruppe deine Forschung verwenden kann.
Ein Beispiel für eine Bachelorarbeit ist ‚Imaging’ von lebenden Zellen. Die Forschung hat nämlich bewiesen, dass wahrscheinlich Leitungsstrukturen zwischen Krebszellen existieren. Es wird jetzt vermutet, dass die Zellen durch diese Leitungen miteinander kommunizieren und sich dadurch ausbreiten können ohne von oben herab gesteuert zu werden. Wenn das wirklich so ist, muss es möglich sein, die Leitungsstrukturen zu beweisen. Und ja, das darfst du machen!
Das erste Jahr ist vor allem ein Jahr, in dem ersichtlich werden muss ob der Studiengang zu dir passt und ob du diesen bewältigen kannst. Zu Studienbeginn bekommst du einen Mentor zugewiesen, der regelmäßig deine Erfahrungen und Anforderungen mit dir bespricht. Bei Zweifeln über die Machbarkeit des Studiums bekommst du zwischenzeitlich eine schriftliche Empfehlung. Neben dem Mentor gibt es den Studienberater um zu schauen woran es liegt und welche Alternativen es gibt. Am Ende des Jahres bekommt jeder eine Empfehlung über die Fortsetzung des Studiums. Dabei wird nicht nur nach erreichten Resultaten sondern auch besonderen Umständen wie Krankheit oder anderen persönlichen Faktoren geschaut. Eine negative Empfehlung ist dann bindend und bedeutet, dass du das Studium nicht fortsetzen darfst. Eine negative Empfehlung ist sicher nicht schön, aber die Begleitung ist so angelegt, dass eine solche Empfehlung sicher nicht unerwartet kommt. Unser Ziel ist es, jeden so schnell wie möglich auf den am besten geeigneten Platz zu bringen.